Dodge Dart "The Wheelstander"

Dieses Auto hatte in seinem ersten Leben bereits eine lange Karriere hinter sich. Bevor ihn Dirk 2002 aus Finnland holte, war der Wagen dort bereits als Dragster im Einsatz. Dirk hatte schon lange den Wunsch nach genau solch einem Auto, doch in Deutschland und auch in den Nachbarländern war keiner im Angebot, der schon umgebaut war. Es sollte ein Totalumbau vermieden werden, also gab Dirk auf skandinavischen Websites Suchanzeigen auf.



Nach einigen Monaten meldete sich jemand aus Helsinki und bot das Auto an. Er schickte per Post einige Bilder auf denen ein sehr gut erhaltener Dart zu sehen war, der hinten bereits größere Radausschnitte, einen Überrollkäfig und Ladderbars hatte. Das Angebot war ebenso selten wie verlockend und nachdem Dirk den Besitzer in Västeras / Schweden auf dem größten US-Car-Treffen außerhalb der USA persönlich kennen gelernt hatte, war man sich bald einig und der Wagen wurde ohne Begleitung nach Travemünde verschifft. Dort holten Dirk und Jens das Rolling Chassis ab.



Angesichts der Vorabbezahlung waren beide froh, den Wagen im Hafen tatsächlich vorzufinden. Der Begriff "Roll-on-Roll-off" hatte eine neue Dimension bekommen.

Zu Hause angekommen wurde das gute Stück, einem alten Brauch folgend, erst einmal in Ruhe besichtigt. Das Ergebnis war erleichternd, denn der Zustand war, wie beschrieben. Doch für das Projekt war vorerst keine Zeit vorhanden.

Ein gutes Jahr später begann ein für Dragster-Projekte wohl ungewöhnlicher Start: Im Gegensatz zu herkömmlichen Projekten wurde der Wagen zuerst lackiert, damit man für die bevorstehende Arbeit besser motiviert war.





Natürlich nicht, Dirk ging damals einfach nur davon aus, Unterboden, Hinterachse und Käfig so zu belassen, wie er war. Nur der Vorderwagen, also alles vor der Feuerwand, sollte umgebaut werden und einem Frame von Chassis Engineering weichen. Da die vorderen Kotflügel und die Haube einzeln waren und auch so später wieder angebaut werden sollten, fiel die Entscheidung zur Lackierung. Doch es sollte alles ganz anders kommen...



Am Ende der Saison 2004, Dirk hatte nach zwei Siegen und einem Semi-Finale in PublicRace mit seinem RoadRunner massiv Morgenluft gewittert, wurde der Dart aus seinem Dornröschenschlaf gerissen.

Zu dieser Zeit weilte ein anderer langjähriger Bekannter in der Dragsterszene, ein ebenso erfahrener Driver wie auch Constructor öfter in Dirks Werkstatt: Bernhard "The Book" Goldbach.



Eines abends erschien Bernhard, der tags zuvor mit einem Zollstock an genau der Stelle zugange war, an der bis vor kurzem noch die Längsträger, der K-Frame und das Frontmittelteil weilten, und grinste breit: "Ich hätte da mal eine Idee".



"Schieß los!" war die Antwort und nachdem er seine Idee dargelegt hatte, fand man sich 20 Minuten später drei Orte weiter an einem ähnlichen Projekt wieder: Guido Uhlirs Opel Manta wurde gerade unter den fachmännischen Händen von Freund Hendrik, seines Zeichens "Builder of M&F-Nova", zum SuperGas-Dragster umgebaut.

Bernhard war von der extrem leichten und Platz sparenden Manta-Vorderachse derart begeistert, dass er diese nicht nur für den Dart empfahl, sondern sich selbst später in seinen Ford Falcon pflanzen ließ.

Noch am selben Abend war in einem Opel-Forum von einem in diesen Kreisen sehr berühmten Guido U. folgendes Posting zu lesen: "Suchen Manta Vorderachse für Dragster-Projekt".

Szenenwechsel: Bad Freienwalde östlich von Berlin. Im Schneetreiben biegt ein schwarzer DodgeRam Pickup in ein verlassenes Industriegelände ein. Der Fahrer checkt die Location und entdeckt weit hinten, wie jemand mit den Armen fuchtelt. An leer stehenden Gebäuden vorbei rollt der Pickup schließlich vor ein Garagentor. Man begrüßt sich, als wäre man zusammen zur Schule gegangen, der Typ sagt: "Tach, ick bin Rico". Er schließt das Tor auf und geht in die Halle, vorbei an 4 coolen, superflachen, umgebauten Opels, umgeben von ca. 1300 (in Worten: eintausenddreihundert) leeren Flaschen "Berliner Pilsner". Er wischt sich mit dem Handrücken übers Gesicht und deutet auf das Hochregallager: "Sucht Euch eine aus!"



Ohne zu zögern, greifen die beiden Besucher in das Regal und ziehen eine komplette Manta-Vorderachse heraus. Bei der Frage: "Wat kriegste?" hält Rico inne und antwortet: "Ick komm uff´n Rennplatz ma uff ´ne Molle vorbei".

Opel-Rico hat seine Drohung noch nicht wahr gemacht, aber die Vorderachse wurde, nachdem sie sandgestrahlt und mit Neuteilen versehen wurde, in das Rennauto eingepasst (1 Woche) und eingeschweißt (1 Tag).

In den folgenden Wochen wurde, immer mit dem Ordner "DMSB-Reglement" unter dem Arm, gerechnet, gemessen, angehalten, wassergewaagt und lasergepointed, was das Zeug hielt.

Das Ergebnis lautete: Alter Käfig raus, weil, sieht oll aus. Boden raus, weil, der neue soll höher, damit Platz für einen Auspuff da ist. Neuer Hauptbügel weiter nach hinten, damit der Fahrer trotz Chrome-Moly-Hüfte noch in das Auto passt und Motor so weit nach hinten, dass der Schwingungsdämpfer hinter dem Vorderachsträger sitzt, da er sonst zu hoch ist.



Gesagt getan. Ergebnis: Gewichtsverteilung 51:49 ! Der Konstrukteur erhält ein Bienchen! Nee, sagen wir drei.

Aus Moparkreisen wurden zwei GFK-Türen "für dünnes" beigesteuert und in nur 4 Wochen (in Worten vier) so umgebaut, dass sie genau so funktionell wurden, wie die originalen, also mit Fensterkurbel, Schlössern, Spiegel usw.

Der Rest ist schnell erzählt:
Teamkollege Jens baute "mal eben" zwei GFK.-Stoßstangen, "Strange" schickte Steckachsen, Spool und Kardanwelle und "A1Transmission" ein Getriebe mit Wandler. Jeff baute in Detroit ein paar geile AluHeads inkl. CNC-Portjob, "SummitRacing" packte ein Päckchen oder elf und Dirk und "Das Mali" holten den Kram rasch ab.

Wieder zurück in Deutschland steckten sie unverzüglich den Motor zusammen und Dirk machte beim Beschriften der Kolben einen Fehler, und vertauschte 2 Stück. Beim Einlaufen setzten also nach 10 Minuten zwei Einlass-Ventile auf den Kolben auf, da die Taschen in den Kolben nur für die kleineren Auslassventile Platz gehabt hätten. Ergo: Zwei Ventile kaputt, Nockenwelle breit, alle Lager müssen neu.



Dienstag Abend MEZ vor Luckau, Telefonat mit Len Adamek @ manciniracing: "Hy Len, this is Dirk from Berlin in Germany. How you doin´ ?. I need a new cam on Thursday here in Germany". Len: "Hy Dirk, hold on a minute I have to talk with the guys at Mopar Performance". Eine Minute später. Len: "Dirk, you need it on Thursday, you get it on Thursday!"

Donnerstag um 8.00 Uhr liegt die neue Nockenwelle vor der Bürotür.

Donnerstag Abend um 22.00 Uhr ist der Motor zusammen.

Freitag früh um 3.00 Uhr ist der Motor im Auto.

Freitag Nachmittag um 16.00 Uhr ist das Auto fertig. Die Beteiligten auch.

Um 17.00 Uhr rollen die Verrückten vom Hof .

Samstag Mittag fährt Deutschlands einziger SuperGas-Dart das erste Mal die Viertelmeile.



An der Rennstrecke schauen ein paar Leute besonders gespannt zu: Es sind die, die dieses Projekt besonders supported haben: Petra "die Frau" und Carlo "der Sohn", die ohne zu murren die vielen Abenden und Wochenenden ohne "den Alten" verbracht haben. Bernhard "Das Buch", der zweifellos der geistige Vater des Projektes ist und Christof "Das Mali", der immer heftig mitgeschraubt und geflext hat.

Dirks Fazit:
"Viel gelernt, viel gearbeitet, oft den inneren Schweinehund besiegt, alle Gliedmaßen behalten, vielen helfenden Freunden zu Dank verpflichtet, Traum verwirklicht, über den eigenen Schatten gesprungen und sogar als doofer Werbefritze Schweißen gelernt. Ach ja, und den eigenen Sohn endgültig mit dem Drag Racing-Virus infiziert."